Bürgerrundfunk Bremerhaven

 

Nachdem der Landesrundfunkausschuss der Bremischen Landesmedienanstalt, auf Grundlage des Bremischen Landesmediengesetzes vom 15. Februar 1989, 1990 einen dreijährigen Versuch beschlossen hatte, in den Städten Bremen und Bremerhaven jeweils einen Offenen Kanal Fernsehen und Radio einzurichten, ging die fieberhafte Suche nach geeigneten Standorten in beiden Städten los. In Bremerhaven wurde man im Stadtteil Lehe fündig. In einem ehemaligen Kino  ergab sich die einmalige Chance wegen der Totalsanierung des Gebäudes einen ganz speziellen Zuschnitt für die Räume des zukünftigen Bürgersenders zu planen. In dieser Situation war es von großem Vorteil, dass zum einen eine Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer in Bremerhaven zu Stande kam, die an der gemeinsamen Nutzung eines Veranstaltungsraums großes Interesse hatte und sich gleich als langfristiger Untermieter anbot, und zum anderen, dass mit dem Designlabor ein Partner gefunden wurde, der die Ideen und Vorgaben der Offenen Kanal Macher kreativ in einem studentischen Projekt umsetzen konnte. Als Ergebnis entstand ein modernes kleines "Funkhaus", mit einem besonders großen und schönen Fernsehstudio / Veranstaltungssaal für 200 Personen. Parallel zu den baulichen Entwicklungen arbeiteten die "Offenen KanalarbeiterInnen" der ersten Stunde daran gesellschaftliche Institutionen und aktive Medieninitiativen in der Stadt vom Konzept des "Offenen Kanals" zu überzeugen und zu motivieren sich an der Entstehung des Bürgersenders zu beteiligen. Die Eröffnung des Fernsehsenders in Bremerhaven fand am 03.12. 1993 statt und wurde mit einer gigantischen Live-Sendung gefeiert, in der sich sowohl Befürworter als auch Skeptiker des Projekts ausgiebig äußern konnten, und viele Bremerhavener Bands und Kleinkünstler die Chance bekamen im lokalen Fernsehen erstmal live aufzutreten. Die Radiofrequenz wurde in Bremerhaven erstmals im Sommer 1995 frei geschaltet, als der Bürgersender für die Dauer der "Sail 1995" sowohl im Fernsehen als auch im Radio live vom Festgelände aus sendete. Bereits in diesem Sommer hatte sich eine engagierte Nutzergruppe für das Radio gebildet, und als ab dem 01.Februar 1996 endlich eine eigene Frequenz, die 90,7 MHz, im Radio zur Verfügung stand wurde sie sofort gut angenommen. Auch die "Fishtown Pinguins", die Eishockeymannschaft aus Bremerhaven, hat das Radio für sich entdeckt und informiert die zu Hause gebliebenen Fans bei Auswärtsspielen über das Spielgeschehen.

Im Jahre 1995  wurde auch der Dauerbetrieb für die Bürgersender Bremen und Bremerhaven vom Landesrundfunkausschuss beschlossen.

Dauerbetrieb bedeutete jedoch nicht Routinebetrieb. Jährlich standen dem Bürgersender technische oder inhaltliche Änderungen ins Haus. So hat auch die Digitalisierung der Medien nicht vor dem Offenen Kanal Halt gemacht und sämtliche Produktionsmittel wurden und werden noch weiterhin erneuert. Der Bedarf nach mobiler Aufzeichnungs- und Übertragungstechnik wuchs ständig und dort wurden innovative technische Konzepte entwickelt und erprobt. Das alles wird mit einem kleinen Mitarbeiterstamm, mit einem kleinen Budget und oft in der Funktion des "Betatesters" bei neuen technischen Entwicklungen realisiert.

Eine Kooperation mit den niedersächsischen Bürgersendern radioWSMtv  am Standort Nordenham besteht seit 1996 und wurde erst kürzlich bis zum Jahr 2014 verlängert.

Durch eine Änderung im Bremischen  Landesmediengesetz vom März 2005 wurden dem Offenen Kanal zusätzliche, neue Aufgaben zugeschrieben. Als zukünftiger "Bürgerrundfunk" soll er nun, neben der Durchführung des Offenen Kanals, also den Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Rundfunk zu gewähren, im Bereich Ereignisrundfunk selbst einen programmlichen Beitrag zum lokalen und regionalen Geschehen zu leisten und als dritte Aufgabe die Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger zu fördern.

Das Programm im Bürgerrundfunk ist seitdem vielfältiger geworden. Neben den zahlreichen Produktionen im Fernsehen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern können die Zuschauer jetzt z.B. auch live an zwei Tage im Monat auf Kabelkanal 12, die Übertragung der Bürgerschaftsdebatte im Landtag verfolgen. Interessante Vorträge, Tagungen und Konzerte werden vom Team des Bürgerrundfunks aufgezeichnet und meistens in Originallänge ausgesendet - mit dem Schwerpunkt hautnahe Informationen aus den Bereichen Kultur, Sport und Politik an die Bremer Bürgerinnen und Bürger weiter zu geben.

Der Radiosender bietet jenseits des Hitparaden-Mainstreams ein schwerpunktmäßig musikalisches Spartenprogramm, das 24 Stunden am Tag werbefrei über die Antennenfrequenz 90,7 MHz zu empfangen ist.

Ab dem 01. April 2008  steht nun eine weitere Änderung ins Haus.

Aus den gemeinsamen Erfahrungen mit der niedersächsischen Kooperation entstand bei den Partnern immer stärker der Wunsch diese Kooperation auf eine breitere Plattform zu stellen. Unter dem Motto: "Vier Sender - ein Programm" schließen sich die Sender aus Bremen, Bremer Umland, Bremerhaven und Nordenham zu Radio Weser.TV zusammen.

Geschichte der Bürgermedien

Am 01. Januar 1984 ging im Rahmen des ersten Kabelpilotprojektes in Ludwigshafen / Vorderpfalz der erste Offene Kanal in Deutschland auf Sendung. Als Vorbild dienten die Open Channels und Public Access Center in den USA, die sich in den späten sechziger Jahren im Zuge der Bürgerrechtsbewegung gegründet und über den gesamten amerikanischen Kontinent verbreitet hatten. Auch in Deutschland verlief die Bewegung der Offenen Kanäle, der Bürgerrundfunksender erfolgreich. Heute, im Jahr 2008, sind Bürgermedien, gemeint sind hier solche in Hörfunk und Fernsehen, inzwischen in jedem Bundesland vertreten, allerdings mit recht unterschiedlichen Formen und Zielsetzungen. Gemein sind ihnen - trotz aller Unterschiede - sieben wesentliche Strukturmerkmale, die sie deutlich von öffentlich-rechtlichen oder privat-kommerziellen Rundfunkveranstaltern unterscheiden:

-  das konkrete Angebot an Einzelne und Gruppen zur Nutzung der Meinungsäußerungs- und Rundfunkfreiheit,
-  unterschiedlich ausgeprägte Zugangsoffenheit,
-  die Vermittlung von Medienkompetenz in Theorie und Praxis,
-  alternative Sendungen bzw. Programme,
-  das Prinzip ausschließlich lokaler oder regionaler Verbreitung,
-  der Grundsatz der Werbefreiheit von Sendungen bzw. Programmen,
-  die Trägerschaft des Senders durch einen eingetragenen Verein, meist gemeinnützig, eine andere gemeinnützige Körperschaft oder eine Landesmedienanstalt.

Mehr Informationen zu den unterschiedlichen Bürgerrundfunkmodellen und ihrer Entstehung gibt es unter:

- Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien (bvbam), www.bvbam.de
- Bundesverband Offene Kanäle (BOK), www.bok.de
- Bundesverband freie Radios(BFR), www.freie-radios.de
- www.buergerrundfunk.de